Ein Leben für die Landwirtschaft

Den ganzen Tag Kühe melken, Traktor fahren oder den Acker pflügen – so könnte man sich den Alltag einer Kreisbäuerin vorstellen. Dass mit diesem Amt aber ein immer voller Terminkalender einhergeht, wissen wohl nur die wenigsten.

Sieglinde Fackelmann aus Frankenwinheim ist Kreisbäuerin. Schon seit Jahren setzt sie sich für landwirtschaftliche Interessen ein. Nach 15 Jahren legt sie nun ihr Amt nieder. „Es ist der richtige Zeitpunkt“, findet sie. Mit 65 Jahren darf sich Sieglinde Fackelmann nicht mehr zur Wahl aufstellen lassen. Außerdem möchte sie den Weg für die Jugend frei machen: „Mit den Jahren ist man vielleicht auch etwas eingefahren und merkt das am Ende gar nicht.“ Grundsätzlich vertritt Sieglinde Fackelmann in ihrem Amt als Kreisbäuerin die Interessen der Ortsbäuerinnen und Landfrauen im Landkreis. Und das ehrenamtlich. Bei regelmäßigen Versammlungen auf Kreis- und Ortsebene werden Themen diskutiert, die die Frauen bewegen, wie zuletzt die Milchpreiskrise. „Wir sagen dann auch mal, was in der Landwirtschaft vielleicht nicht so gut läuft“, so die Kreisbäuerin.

Dabei steht die Frankenwinheimerin auch immer in engem Kontakt zum Bayerischen Bauernverband (BBV), der seine Hauptgeschäftsstelle in München hat. Hier tritt Fackelmann als Vermittlerin auf, denn „wir Landwirte können nicht schnell mal nach Berlin“, der BBV ist also „sehr wichtig für uns Landwirte. Unsere Interessen finden dort Gehör.“ Sieglinde Fackelmann wurde in die Landwirtschaft hineingeboren. Ihre Eltern führten in Brünnstadt einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb, den es heute nicht mehr gibt. Nach der Schule machte sie einen kleinen Umweg, als sie in Hammelburg eine Ausbildung zur Schwestern-Helferin absolvierte. Seit der Hochzeit mit ihrem Mann Ludwig 1973 führt Sieglinde Fackelmann mit ihm zusammen den heimischen Betrieb.

1981 wurde sie dann zur stellvertretenden Ortsbäuerin von Frankenwinheim gewählt und zehn Jahre später zur Ortsbäuerin im Kreisvorstand ernannt. Schließlich suchte der eine neue Kreisbäuerin und fragte bei ihr an. Nach Absprache mit der Familie dachte sich die 65-Jährige schließlich: „Ich probier’s.“ Und es hat geklappt. Im Frühjahr 2002 wurde Fackelmann Kreisbäuerin. Ab diesem Zeitpunkt platzte ihr Terminkalender fast aus allen Nähten: Schweinfurt, München, Berlin und wieder zurück. Den ganzen Tag auf dem Feld stehen? Fehlanzeige. „Sie hat ja auch immer ‚hier‘ gerufen“, meint Ludwig Fackelmann.

Neben ihrer repräsentativen und vermittelnden Funktion setzt sich Sieglinde Fackelmann aber auch für soziale Projekte ein. Besonders gerne arbeitet sie mit Kindern zusammen, wie beim Projekt „Landfrauen machen Schule“, wo sie mit ihren Kolleginnen Schulen besucht, um mit den Kindern zu backen und zu kochen. Das Ehepaar Fackelmann lädt aber auch gerne Schulklassen auf seinen Bauernhof ein. Zusammen mit den Landfrauen hat Sieglinde Fackelmann auch immer wieder Kuchenverkäufe organisiert. Der Erlös ging hier immer an einen guten Zweck. Mit Blick auf das Ende ihrer Amtszeit hat die Frankenwinheimerin gemischte Gefühle. Zwar freue sie sich darüber, jetzt ein großes Stück Verantwortung abgeben zu können. Dennoch schwingt auch Wehmut mit, denn für die 65-Jährige steht fest: „Ich möchte die 15 Jahre nicht missen.“

In guter Erinnerung bleibt der Kreisbäuerin ein Besuch auf der Grünen Woche in Berlin, wo sie zusammen mit ihrer Stellvertreterin Gertraud Göb auf einer Schauküche regionale Gerichte zubereitete: „Da wäre ich nie hingekommen und war so stolz darauf, dort stellvertretend für Unterfranken zu kochen.“ Auf dem Menü stand damals ein spezielles Müsli, das beiden Frauen praktisch aus den Händen gerissen wurde. Also musste Nachschub her und „da haben unsere Ehemänner die Geschäfte im Umkreis fast leer gekauft“.

Auch ein Treffen mit dem ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber auf dem bayerischen Zentral-Landwirtschaftsfest in München wird Sieglinde Fackelmann so schnell nicht vergessen: „Da hat er beim Kochen auch mal den Löffel genommen und hat umgerührt.“ Ein Höhepunkt war für die Kreisbäuerin die Verleihung des Ehrenzeichens des bayerischen Ministerpräsidenten durch Landrat Florian Töpper im vergangenen Jahr: „Ich bin sehr stolz darauf, aber alleine könnte ich nichts machen. Ich habe das für alle Ehrenamtlichen entgegengenommen.“ Insgesamt ist Fackelmann auch ihren Vorstandskolleginnen und auch ihrer gesamten Familie für die außerordentliche Unterstützung während der letzten Jahre besonders dankbar.

Für die Zukunft wünscht sie sich für die Landwirtschaft, „dass es auch junge Menschen gibt, die nachkommen“ und dass sich die Landwirte ihrer wichtigen Aufgabe, nämlich der Ernährung der Bevölkerung, bewusst bleiben, „denn ein Landwirt muss auch mit Herzblut dabei sein“. Und trotz ihrer neugewonnen Freizeit wird sich der Terminkalender bei Sieglinde Fackelmann nicht so schnell leeren. Mit ihrem Ehemann möchte sie erst einmal auf Reisen gehen. Mit ihren Vorstandskolleginnen bleibt sie weiter in Kontakt. Des Weiteren engagiert sich die 65-Jährige bei der Nachbarschaftshilfe, betreut weiterhin die Landfrauen-Chöre, wirkt an Kochbüchern mit, spielt leidenschaftliche gerne Veeh-Harfe und kümmert sich liebevoll um ihre acht Enkel.

„Es ist also nicht so, dass sie gar nichts mehr zu tun hat und nur noch bei mir sitzt“, versichert Ludwig Fackelmann. Und auch Sieglinde Fackelmanns besondere Beziehung zur Landwirtschaft wird wohl immer bestehen bleiben, denn „das ist unser Beruf, das ist unser Leben“.

Quelle: Mainpost v. 10.02.2017

Autor: Lena Müller