Freie Wähler Schweinfurt besuchten das abgeschaltete Kernkraftwerk in Grafenrheinfeld

„ Sie müssen die gesetzlichen Vorgaben erfüllen und wir sind das Gewissen der Bevölkerung, die immer darauf schaut, ob dies alles auch eingehalten wird“, sagte der Kreisvorsitzende der Freien Wähler Schweinfurt, Edwin Hußlein und brachte die sehr interessante Diskussion auf den Punkt, bei der der Betriebsleiter Bernd Kaiser die aktuelle Situation um den Rückbau des KKWs erläuterte.

Zu Beginn der Veranstaltung hatte der Landtagsabgeordnete der FW Dr. Hans Jürgen Fahn die Position seiner Fraktion erläutert. Bereits 2009 lehnten die FW die von der schwarzgelben Bundesregierung geplante Laufzeitverlängerung der AKWs ab. Einer der Hauptdiskussionspunkte im Landtag waren die Überflüge von US-Kampfjets, die immer wieder die Bevölkerung in Unruhe versetzten und auch heute immer noch nicht „vom Tisch“ sind. Daher wird auch derzeit diskutiert, ob die beiden 143 m hohen Kühltürme bereits 2019 gesprengt werden sollen oder doch erst nach 2033, wenn die Anlage konventionell abgerissen wird.  Dies sei auch eine Frage der Kosten, denn eine Rückbau 2019 würde 3,5 Mio. € kosten und 2033 nur 1,9 Mio. €. Die Kühltürme sind nach wie vor eine Symbolfigur des Atomzeitalters und eher als Mahnmal zu werten, so Stadträtin Ulrike Schneider und weniger als Industriedenkmal, wie Edwin Hußlein meinte.

Bis 2035 soll der Rückbau des AKW erledigt sein. Derzeit befinden sich noch Brennelemente im Lagerbecken neben dem stillgelegten Reaktor. Sie müssen gekühlt werden, die Lüftungen müssen laufen, Maschinen, die noch benötigt werden, brauchen Wartung. Erst wenn das letzte Brennelement das Reaktorgebäude verlassen hat, kann der Rückbau richtig starten. Derzeit geht es um die Beladung des Zwischenlagers. Seit der Abschaltung am 27.6.2015, so Kaiser gibt es drei Aktivitäten, nämlich die Arbeiten im Nachbetrieb, die Rückbauplanung und dann die Rückbaugenehmigung. Begonnen hat zudem der Bereitschaftshalle BEHA zur Aufnahme der nach durchgeführter Messung als schwach radioaktiv eingestuften Materialien. „Die Aufheizung des Mains, sei derzeit kein Thema mehr. Das zurückgeleitete Wasser erwärmt sich derzeit max. 1/10 Grad“, sagte Bernd Kaiser auf eine Nachfrage von Norbert Eusemann.

Grafenrheinfeld bleibt aber weiterhin Atomstandort, mit oder ohne Kühltürme, das war allen  alle Anwesenden klar.  Derzeit wird der radioaktive Müll in einem dezentralen Zwischenlager, dem Brennelementlager BELLA in Castoren aufbewahrt. Man wartet aber hier in Grafenrheinfeld genauso wie im übrigen Deutschland, dass endlich ein Endlager gefunden wird.  Das kann aber noch Jahre oder sogar Jahrzehnte dauern. Die Bürgermeisterin von Grafenrheinfeld Sabine Lutz meinte, der überwiegende Teil der Bevölkerung habe derzeit kein großes Problem mit dem KKW, man wisse zwar nie (siehe Fukuschima), ob eine potentielle Gefahr Realität werde, aber man lebe derzeit nicht mit der Angst, dass etwas passiere.

Sie glaube aber, dass das Zwischenlager noch bis 2100 in Grafenrheinfeld da sein werde.  Auf Nachfrage von Norbert Dotzel bestätigte Bernd Kaiser, dass das BELLA aktuell verstärkt werde, sprich massive Wände erstellt werden Betriebsleiter Bernd Kaiser versicherte aber, dass das Zwischenlager BELLA auch heute schon sicher sei („ich habe  eine Verantwortung für meine 200 Mitarbeiter“) und dass  selbst ein Absturz eines Flugzeugs unschädlich sei. Ulrike Schneider konterte, auch in Fukushima sei man vor 2011 auch von einer sicheren Lage ausgegangen.

Trotzdem ist es interessant, dass der Bund Naturschutz gegen das Bayer. Umweltministerium eine Klage eingereicht hat, über die in Kürze entschieden wird. Laut Bund Naturschutz bestätigte das Oberverwaltungsgericht in Leipzig die Aufhebung der Genehmigung des Zwischenlagers Brunsbüttel aus 2003 durch das Oberverwaltungsgericht Schleswig in 2013- dieses Zwischenlager sei nicht sicher gegen Terrorangriffe und Abstürze einer großen zivilen Verkehrsmaschine wie Airbus 380. Dies treffe , so der BN, fachlich und sachlich auch auf das Zwischenlager in Grafenrheinfeld zu. Zum Beispiel habe „BELLA“ geringere Wand- und Deckenstärken. Auch geht es um die Frage, ob die radioaktive Belastung seit der Abschaltung nicht abnehme, sondern sogar zunehme.  Allerdings hat das Umweltministerium erklärt, dass diese Klage keine aufschiebende Wirkung zur Folge habe. Auch bezweifelt der BN, dass man nach dem Abriss man von einer „grünen Wiese“ (so Bernd Kaiser) in Grafenrheinfeld sprechen könne.

Für die Freien Wähler aus dem Raum Schweinfurt war es eine sehr interessante Veranstaltung und nahezu alle Fragen konnten beantwortet werden. MdL Hans Jürgen Fahn wird dennoch im Landtag eine schriftliche Anfrage einreichen, auch weil es für die Bevölkerung rund um Schweinfurt wichtig ist zu wissen, wie lange sie noch mit dem Zwischenlager leben müssen und wie hier die Einschätzung der Staatsregierung ist.

Auf dem Bild sind zu sehen (von links):
Evamaria König, Bernd Kaiser (PreussenElektra GmbH), Ulrike Schneider, Edwin Hußlein, Dr.H.J.Fahn, Norbert Dotzel, Norbert Eusemann, Sabine Lutz und Robert Starosta