Wie dem Fachkräftemangel im Handwerk begegnen?

Freie Wähler besichtigen SHK Bildungszentrum

Der Fachkräftemangel ist branchenübergreifend gegenwärtig. Doch neben Industriebetrieben und Einrichtungen des Gesundheitswesens leiden insbesondere die Handwerksbetriebe schon seit vielen Jahren unter dem Ausbleiben von Fachkräftenachwuch s egal ob Elektriker, Kfz Mechaniker, Heizungsmonteure oder Spengler.

Was kann die Politik dazu beitragen, den Trend zu stoppen bzw. umzukehren?

Bild: Guido Spahn

Um sich ein Bild von dieser Problematik machen zu können, besichtigten die FREIEN WÄHLER von Kreistagsfraktion, -vorstandschaft und -kandidaten das SHK Bildungszentrum der Innung für Spengler-, Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik Schweinfurt-Main-Rhön in Schweinfurt/Am Hainig um sich aus erster Hand über den Status Quo im
Handwerk zu informieren.

Bettina Bärmann, 1. Bürgermeisterin aus der direkt angrenzenden Gemeinde Niederwerrn, begrüßte die zahlreichen Gäste und nannte erste Fakten. So seien die gute konjunkturelle Lage mit hohen Auftragszahlen sowie die geburtenschwachen Jahrgänge mitverantwortlich an dieser Entwicklung so Bärmann.

Hinzu kämen die Abwanderung in die Großindustrie sowie die vergleichsweise geringere Vergütung als „in der Fabrik“. Im weltweiten Ranking falle Deutschland im Handwerk immer weiter zurück und befände sich mittlerweile auf dem Platz 15, weiß Bärmann.

Josef Bock, Geschäftsstellenleiter des SHK Bildungszentrums Schweinfurt Main Rhön stellte die verschiedenen Standbeine des Zentrums vor. So ist die Schweinfurter Innung eine von nur vier Innungen in ganz Bayern, die die überbetriebliche Ausbildung für Ihre Mitgliedsbetriebe selbst durchführen und das schon seit 1976.

Dabei muss die Innung sich selbst finanzieren. Trotzdem habe diese im Jahr 2003 das aktuelle moderne Gebäude für 1,5 Mio ohne Fördergelder errichtet, so Bock. Ausgestattet mit neuesten Heizungs- und Enthärtungsanlagen, Warmwasserbereitung, Klimageräten, usw. der aktuellsten Generation ist eine Ausbildung auf höchstem Niveau
möglich.

Bild: Christine Bock

Mittlerweile werden diese Anlagen über Tablets eingestellt, gesteuert und über Fernwartung sind Parameter für erste Diagnosen bei Störungen abrufbar. Doch auch alte Heizungsanlagen sind noch vorzufinden, denn so Bock, „erst müssen die Basics bei den Azubis sitzen und physikalische Größen und Einheiten in Fleisch und Blut übergegangen sein, sonst nützt der Einsatz modernster Technik (Handwerk 4.0) alles nichts.

Josef Bocks Ehefrau Christine, ebenfalls angestellt im Zentrum kümmert sich um die 14 tägigen „Schulprojekte“, die ab der 7. Klasse angeboten werden. Bis zu 1000 Schüler pro Jahr können dort in verschiedenste Berufsfelder wie Metallbearbeitung, Sanitär und Heizung, Elektrotechnik Holzbearbeitung, Hotel und Gaststätten, Gesundheit und Pflege, Ernährung, Verwaltung usw. hineinschnuppern und ihre beruflichen Neigungen ausprobieren. Allerdings erforderte dieses Bundesprogramm zur Berufsorientierung die Einstellung von Sozialpädagogen, um die vom Gesetzgeber vorgeschriebene vorherige Durchführung der Potentialanalyse gerecht werden zu können.

Neben Ausbildung und Schulprojekte stellt die Weiterbildung bereits gestandener Handwerker eine weitere Säule des Zentrums dar. Dabei werden Kurse z.B. für den Kundendienst im Bereich Sanitär und Heizung sogar bundesweit angeboten. Im Übrigen hat sich der heutige Heizungsbauer zum umfassenden „Energieberater“ weiterentwickelt. Passivhaus, Wärmepumpen, Pellets und Hackschnitzelanalagen haben längst die Standardanlagen mit Öl und Gas als Energieträger ergänzt, was den Schulungsbedarf enorm ansteigen ließ.

Last but not least ist das SHK Zentrum seit 2011 als „Bundesleistungszentrum für die SHK-Berufe“ bekannt und das
Einzige im ganzen Bundesgebiet. Dort werden die Trainings für Deutsche-, Europa- und sogar Welt-Meisterschaften durchgeführt. Vor kurzem hat im russischen Kasan die Weltmeisterschaft stattgefunden, bei der Deutschland den undankbaren 4. Platz erreichte.

Aus der Runde wurden durchaus auch kritische Fragen an den Geschäftsstellenleiter gestellt, ob er denn mangelnde Motivation in der Ausbildung erfahre oder fehlenden Durchhaltewillen bzw. zu wenig Freude am Lernen bei den jungen Berufsanfängern feststellen würde. „Aus meiner Sicht ist es heutzutage die größte Herausforderung, die Begeisterung für das Handwerk bei der Jugend zu wecken“ antwortet Bock. Diese Begeisterung war von Familie Bock jederzeit auch bei dem anschließenden Rundgang durch die Räume und Werkstätten zu spüren.

Fazit: Wer durch die „Lehre“ von Josef Bock geht wird definitiv ein begeisterter Handwerker! Das Bildungszentrum der SHK-Innung Schweinfurt-Main-Rhön ist für das Handwerk bundesweit eine äußerst wertvolle Einrichtung und ein Glücksfall für unsere Region.