„Wir fangen bei Null an“

Die alten SuedLink-Korridore sind komplett gelöscht. „Wir fangen wieder bei Null an. Ich war selbst dabei, als die Ordner geschreddert wurden.“ Bei diesen Worten hatte Thomas Wagner von Tennet die ungeteilte Aufmerksamkeit der Zuhörer.

Der Kreisverband Schweinfurt der Freien Wähler hatte seine Mitglieder zum Ortstermin auf der Baustelle des neuen Tennet-Umspannwerks bei Bergrheinfeld eingeladen. Die technischen Details interessierten die Kommunalpolitiker zwar, Aussagen zur geplanten Gleichstromtrasse SuedLink wurden allerdings mit besonderer Aufmerksamkeit aufgenommen.

Wagner, bei Tennet als „Referent für Beteiligung“ angestellt, stellte klar, dass mit der Festlegung auf Erdverkabelung die bisherigen Planungen des Netzbetreibers obsolet seien. Derzeit mache man sich Gedanken über mögliche neue Korridore. „Ich gehe davon aus, dass wir im Herbst wieder eine räumliche Vorstellung haben“, so Wagner.

Dann wird Tennet wieder den Bürgerdialog starten, es soll wieder Veranstaltungen nach dem Vorbild der Infomärkte geben, bei denen Bürger Einblick in Pläne nehmen und eigene Vorschläge einbringen können. Mit konkreten Anträgen für die Prüfung möglicher Korridore rechnet Wagner dann ab 2017. „Wie wir konkret bauen, wissen wir frühestens in fünf Jahren.“

Da wird das Umspannwerk längst fertig sein. Projektleiter Alfred Hinrichs führte die Freien Wähler über das riesige, etwa 500 auf 130 Meter große Gelände. Der Termin war Teil des ersten Energietags der Freien Wähler des Landkreises, bei dem später auch noch ein Besuch bei Senertec auf dem Programm stand. Motto: „Energieversorgung: dezentral, zentral oder beides?“

Neben dem Landtagsabgeordneten Günther Felbinger waren auch der energiepolitische Sprecher der FW-Landtagsfraktion, Thorsten Glauber, und Landrat Thomas Schiebel aus dem Landkreis Main-Spessart eingeladen.

Auf der Baustelle ist eines der drei geplanten Schaltfelder bereits in Betrieb. Das sieht nach nicht viel aus, allerdings gingen größere Erdarbeiten voraus. „Wir haben das Gelände bis zu sechs Meter aufgefüllt und bis zu drei Meter abgesenkt“, sagte Hinrichs. Extrem hügelig sei es gewesen, „und auch sehr schlechtes Ackerland“, wie Bürgermeister Peter Neubert ergänzte. Deshalb hatte man sich nach längerer Diskussion auch für dieses Grundstück entschieden.

Um die 380-Kilovolt-Umspannstation ans umliegende Netz zu bringen, müssen sieben Strommasten neu gebaut und sechs Masten abgebaut werden. Das Umspannwerk ist laut Hinrichs nötig geworden, um nach der Abschaltung des Atomkraftwerks Grafenrheinfeld Spannungsschwankungen im Stromnetz auszugleichen.

Noch in diesem Jahr soll das zweite Schaltfeld entstehen, die Fundamente dafür sind bereits vorhanden. „Wir rechnen damit, dass wir mit dem letzten Abschnitt im Januar 2019 fertig werden“, kündigte Hinrichs an. Außer bei den größeren Fundamenten – etwa für den ebenfalls bereits am Netz hängenden „rotierenden Phasenschieber“ (wir berichteten) – kommen auf der Baustelle vor allem Fertigteile zum Einsatz.

Wenn das Umspannwerk fertig ist, wird es nicht etwa vor Ort, sondern von der Netzleitstelle in Dachau aus gesteuert. Das ist heute üblich, Tennet betreibt kein „bemanntes“ Umspannwerk mehr. FW-Vorstand Andre Merz fragte daraufhin nach der Sicherung des Umspannwerks, etwa vor Sabotage oder einem Terroranschlag. Hinrich dazu: Das Gelände sei zwar mit Stacheldraht umzäunt. Viel entscheidender sei aber, dass „man dann genauso irgendwo an einem Mast sägen kann.“ Wenn nötig, kann das System allerdings sehr wohl von vor Ort gesteuert werden.

„Zur Arbeitsplatzbilanz trägt das Umspannwerk also erst mal nix bei“, merkte Bürgermeister Neubert an.

 

Quelle: Mainpost v. 10.04.2016

Autor: Nike Bodenbach